Nach dem dritten Platz bei der Deutschen Meisterschaft aus dem vergangenen Jahr hätte man meinen können, wir wären erstmal zufrieden. Waren wir auch. Doch kurz darauf stellten sich die üblichen Fragen: „Machen wir das wirklich nochmal?“ – „Haben wir dafür überhaupt noch genügend Tape?“ – und vor allem: „Wer fährt?“
Wie so oft lautete die Antwort am Ende: Ja, natürlich machen wir weiter. In unseren doch stetig wachsenden Bäuchen war offenbar noch etwas Platz. Platz für eine weitere Saison, ein paar zusätzliche Spiele und, warum nicht, für eine zweite Qualifikation?
Und so fanden wir uns erneut auf der Platte wieder. Gleiche Gesichter, noch weniger Haare auf dem Kopf und irgendwie immer noch in der Massephase. Wer beim Wellingdorfer TV lange genug dabei ist, weiß: Blau-Gelb lässt einen nicht einfach los. Viele von uns haben nie ein anderes Trikot getragen, andere sind nach kleinen Umwegen zurückgekehrt – und alle fühlen sich sofort wieder zuhause, sobald sie die Halle betreten. Genau deshalb ist „Lebenslang Blau-Gelb“ für uns mehr als ein Schlachtruf: Wir tragen ihn nicht nur auf der Brust, sondern auch im Herzen.
Die diesjährige Qualifikation führte uns unter anderen nach Stockelsdorf. Mit einem Sieg gegen die heute ebenfalls teilnehmende SG Wift Neumünser konnten wir als S-H Meister einen Platz bei den Deutschen Meisterschaften erspielen. Dass es in der direkten Vorbereitung vor einigen Wochen dann einmal andersherum ausging, zeigt vor allem eines: Die Karten werden jedes Mal neu gemischt.
Dieses Turnier steht somit sinnbildlich für das, was uns ausmacht: starke Gegner, kurzen Pausen und genau die richtige Intensität für eine Mannschaft, die lieber auf Übersicht und Erfahrung setzt als auf Tempo und Hektik. Wie genau uns das alles immer wieder gelingt, können wir bis heute nicht vollständig erklären. Aber offenbar greifen manche Dinge auch dann noch zuverlässig, wenn man sie schon sehr lange gemeinsam macht.
Schon in aktiven Handballjahren haben wir Spielzüge einstudiert, die wir aus purer Kreativität nach Mitspielern benannt haben. „Acker-Spitz“ oder – je nach Ausführung – „Pingo-Spitz“ haben uns durch unzählige Spiele getragen. Wenn „Acker-Spitz“ einmal nicht wollte, griff zuverlässig Plan B: „Zwei Links“. Und wenn es ganz besonders werden sollte, kam der KREISEL. Dieser Spielzug wird bereits bei Vereinsbeitritt in die DNA der Spieler eingepflanzt. Gespielt wird er in Überzahl, der Mittelmann dreht sich um die eigene Achse und… mehr wird an dieser Stelle nicht verraten. Nur so viel: Entschlüsselt wurde er bisher von niemandem – vermutlich, weil niemand genau weiß, was da eigentlich passiert. Seht am besten selbst.
All das, diese Geschichten, diese Spielzüge, diese gemeinsamen Jahre, münden in dem, was uns heute trägt. Manche nennen es Tradition. Wir selber nennen es „Lebenslang Blau-Gelb“.
Wie es heute ausgeht? Keine Ahnung. Aber wir wissen schon jetzt: Es wird gelacht, gespielt, erzählt – und hoffentlich stehen am Ende alle noch aufrecht. Das wäre schon ein voller Erfolg.